Virtueller Rundgang

Von Beginn an dabei

Sigrid Kühnemund im Campingpark Sanssouci

Sigrid Kühnemund mag es nicht, wenn man sagt, sei „die Seele des Campingparks“. Und doch reicht es, die kleine, energische Frau zu beobachten. Selten nur sitzt sie still, immer wandern ihre Augen umher, um zu prüfen, wo etwas zu tun ist. Das macht sie in einer natürlichen, zurückgenommenen Art. Sicher weiß jeder junge Mensch aus dem Team an der Rezeption, was er zu tun hat. Es ist aber nicht zu übersehen, dass Sigrid Kühnemund schneller als die anderen und erfahrener als die anderen erkennt, was zu tun ist. Sie behält die Ruhe im Ansturm der Gäste, sie weiß, wo Stammgäste ihren Stammplatz haben und sie freut sich über jene, die neu hinzukommen und versucht, deren Wünsche an ihren Lippen abzulesen. Menschenkenntnis und Menschenliebe vereint diese angenehm aktive Frau.

Denn was Sigrid Kühnemund ganz offensichtlich mag, das ist der Campingpark Sanssouci. Und die Rolle, die sie darin spielt. Eigentlich müsste sie nicht mehr arbeiten,  aber sie tut es doch. Sie hält die Rezeption in Schwung, spricht mit jedem Gast und sofort ist ihr klar, wo es ein Problem geben könnte. Der Campingpark ist ihr ans Herz gewachsen und das Team eine zweite Familie für sie geworden. Das war zu Beginn ihrer Arbeit noch nicht abzusehen, als sie, nach der Wende arbeitslos geworden, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme auf dem Platz bekam. „Am Anfang haben wir alles gemacht, wir haben sogar den Platz geharkt“, erinnert sie sich gemeinsam mit Geschäftsführer Dieter Lübberding. Und so wuchs sie in ihre neue Aufgabe hinein und wurde prompt übernommen, als der Campingpark Sanssouci 1991 die ersten Gäste empfing. Sigrid Kühnemund kennt die gesamte Geschichte der letzten zwanzig Jahre, sie weiß noch, und das hat auch Dieter Lübberding nicht vergessen, wie es Probleme mit den Abflüssen gab. Das ist bei Hochbetrieb zwar ein sinnliches Ereignis, aber bestimmt kein Vergnügen.

Heute sitzt die resolute Frau gelassen am Tisch und erzählt ein bisschen, aber erst, nachdem man sie bedrängt hat. Sie drängt sich nicht gerne auf und auch nicht in den Vordergrund, weiß aber um ihre Stellung im Team. Die ist unangefochten. Mit ihrem Mann hat sie das Abkommen, dass sie mittags nachhause kommt, da hat er gekocht und sie kann sich ein wenig erholen, wenn es wieder mal turbulent zugeht auf dem idyllischen Platz am Templiner See. Wenn alle Sorten Sprachen in der Rezeption umherschwirren und die Gäste müde sind von der langen Reise. Frau Kühnemund ist die erste, die morgens kommt und die letzte, die abends geht. Das gehört sich so, sagt sie, und seufzt ein wenig, aber eher glücklich und stolz. Denn wenn der Park in den letzten zwanzig Jahren zu einem Erfolgsmodell geworden ist, das ständig Preise einheimst, dann ist das auch ihr zu verdanken. Das weiß auch Dieter Lübberding, der auf eine fast familiäre Art mit ihr verbunden ist. „Wir haben uns öfter gesehen als unsere Partner“, sagen beide unisono und lachen vertraut. Sie wissen, was sie aneinander haben, und ist auf jeden Fall für eine Arbeitspartnerschaft eine sehr gute Voraussetzung. Aber sie liebt auch das Winterhalbjahr. Da macht sie manchmal große Reisen mit ihrem Mann. Um ihren Hals hängt eine Goldkette, das die Umrisse des afrikanischen Kontinents zeigt. Als Tourist im fremden Land kann man auch immer für das eigene Unternehmen lernen, sagt sie und zeigt, dass selbst im Winter ihre Gedanken manchmal im Campingpark sind. Aber wenn dann bei einer Safari die Löwen oder Giraffen auftauchen, ist sie bestimmt in anderen Gefilden. So holt sie sich im Winter die Kraft, die sie im Sommer bei der Arbeit benötigt.